Regina Scheer liest über Kurt Tucholsky

Aus ihrer Monographie „Jüdische Miniaturen” las die Schriftstellerin Regina Scheer auszugsweise vor rund 35 Gästen über das Leben von Kurt Tucholsky. Die Autorin war bis vor einigen Monaten die erste Musenhofschreiberin in Kunersdorf und hierhin kehrte die Berlinerin nun zurück. Unter dem Titel „Es war ein bisschen laut” näherte sich die 60-Jährige dem jüdischen Leben des 1935 durch Freitod verstorbenen Tucholsky an.

„Ich möchte ergründen, welche Rolle die jüdische Herkunft im Leben des Schriftstellers hatte”, erklärte Regina Scheer. Obwohl Tucholsky zum Christentum konvertierte, habe er dennoch eine enorme Bindung zum Judentum gehabt, sagte sie. Er sei von Kindheit an mit den Werten des preußischen Judentums aufgewachsen, habe geglaubt, sich integrieren zu können und sich immer scharfsinnig mit den damaligen Verhältnissen auseinandergesetzt. „Tucholsky lebte in einer Zeit der Widersprüche”, so die Autorin. „Im Kaiserreich geboren, wurde er von der Weimarer Republik enttäuscht und musste vor den Nazis flüchten.”

Auf der Suche nach der Frau

Seine Unruhe und innere Wurzellosigkeit versuchte Regina Scheer ihren gebannt lauschenden Zuhörern nahe zu bringen, arbeitete das besondere Verhältnis Tucholskys zu den vielen Frauen in seinem Leben heraus, exemplarisch für das innere Getriebensein des Schriftstellers, Journalisten und Autors Kurt Tucholsky. „Er war auf der Suche nach einem bestimmten Frauentypus, der aber nur in seiner Phantasie existierte”, sagte die Musenhofschreiberin. Sein satirisches Talent und die schwärzliche Weltsicht ließen ihn die Dinge aus anderer Perspektive sehen, resümierte die Autorin. „Er war ein brillanter Gesellschaftskritiker, doch das hat ihm nicht geholfen, auch ein glücklicher Mensch zu sein.”

Oliver Fliesgen
(Märkische Oderzeitung, 21. April 2010)
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