Klangfaszinationen in der Kirche

Friedrichshagener Kammerchor rundete literarischen Nachmittag ab

Kunersdorf. Einmal mehr sind in Kunersdorf Literatur und Musik eine reizvolle Verbindung eingegangen. Auch wenn nicht alle Gäste des Nachmittags zum anschließenden Abendkonzert in der Kirche bleiben konnten, war doch auch der Auftritt des Kammerchors Friedrichshagen als musikalischer Abschluss ein besonderes Erlebnis. Viel Beifall erhielten die Sängerinnen und Sänger unter Leitung von Lutz Stropal für ihr abwechlungsreiches Programm.

Fast seit der Gründung 1971 steht dieser an der Spitze des weithin bekannten Ensembles, stieß ein Jahr später dazu und hat den Klangkörper auch schon zu Auslandsauftritten in Tchechien, Polen und Norwegen begleitet. Ebenso wie dort gaben die Friedrichshagener nun in Kunersdorf einen Einblick in ihr Repertoire, warteten mit einem bunten Strauß unterschiedlichster Weisen auf. Mit „Cantate domino” zur Einstimmung durfte ein musikalischer Tribut hinsichtlich des Auftrittsortes natürlich nicht ausbleiben, doch in erster Linie waren es weltliche Lieder, die in dem Gotteshaus erklangen und durch dessen wundervolle Akustik besonders intensiv zu Ohren und Herzen der Zuhörer vordrangen.

Alle großen Namen von Bach, Beethoven und Brahms über Mozart, Liszt und Haydn bis zu Mendelsohn-Bartholdy, Rachmaninoff und Schubert sowie Grieg oder Bruckner haben die Chormitglieder üblicherweise ebenso aufzubieten wie Volkslieder einheimischer und internationaler Herkunft aus mehreren Jahrhunderten.

Im Oderbruch waren es von letzteren unter anderem mehrere norddeutscher Prägung wie „Lütt Anna Susanna” oder „Wenn hier soon Pott mit Bohnen steiht”, welche die Zuhörer begeisterten. Noch übertroffen wurde dies aber von den Ausflügen nach Italien, Griechenland oder Amerika. „Sie tauchen schon am Morgen in die Fluten ein”, hieß es in einem griechischen Volkslied über die Fischerboote, die später „nicht zu lang verweilen” dürfen, aber letztlich doch erfolgreich mit dem Fang heimkehren. Zu Herzen gehend auch „O Shenandoah”, bei dem in der ersten Strophe die Männerstimmen führen, in Strophe zwei den Frauen das Feld überlassend, um zuletzt sich mit diesen zum Finale zu vereinigen. Wie zwei Wasser, die ineinanderfließen, um nun mit größerer Macht dahinzuströmen. Insgesamt einem Flußlauf gleichend, der mal langsam und träge durch die Landschaft fließt, dann wieder munter-schwungvoll plätschert und schließlich sanft ausklingend ins Meer mündet.

Ob „Chopinwalzer”, ein Liebeslied mit Blick auf die spezielle Harmonik des Meisters der Klavierkompositionen, oder die Vertonung von Goethes „Totentanz” und schließlich „Over the rainbow” als eins der Beispiele aus der Pop-Ecke - das Publikum dankte der eindrucksvollen Klangreise mit viel Beifall.

Während das Konzert wieder eine Gemeinschaftsveranstaltung mit der Kirchengemeinde war, konnten sich Musenhofteam und Kulturverein VorOrt auch über die Resonanz am Nachmittag freuen. Etwa 50 Interessenten, viele auch von der Fontane-Gesellschaft, lockte die Vorstellung der Frankfurter Buntbücher. Die literarischen Miniaturen aus der Oderstadt werden von Lothar Jordan und dem Leiter des Kleist-Museums, Wolfgang de Bruyn, herausgegeben. Beide machten anhand der jüngsten Neuerscheinung mit Erich Arendt bekannt, vor allem auf dessen frühe Heimatstadt Neuruppin bezogen. Eine kurzfristig dazugekommene, aber sehr reizvolle Ergänzung waren die Ausführungen von Prof. Klaus Völker, dem ehemaligen Direktor des Schauspielhauses „Ernst Busch” in Berlin, zu Gustaf Gründgens und Mephisto sowie den berühmten Schauspielern und Autoren, die sich zu jener Ära im Gutshaus Zeesen aufhielten.

Thomas Berger
(Märkischer Markt, Blickpunkt Freienwalde, 10./11. September 2008)
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