Helene Charlotte von Lestwitz (Frau von Friedland)
Helene Charlotte von Lestwitz (1754-1803), verheiratete von Borke, und ihre Tochter Henriette Charlotte (1772-1848), verheiratete von Itzenplitz, wurden später die Frauen von Friedland genannt. Sie verhalfen Kunersdorf zu neuem Ansehen.
„Eine seltene und ganz und gar eminente Frau”, so beschrieb Fontane Helene Charlotte von Friedland in seinem Buch „Wanderungen durch die Mark Bandenburg”, in dem er auch Schloss Kunersdorf ein Kapitel widmete. Entschlussfreudig und gebildet, war Frau von Friedland sehr interessiert am ökologischen und wirtschaftlichen Fortschritt. Mit neuen Ackerbaumethoden erhöhte sie den Ertrag ihrer sechs Wirtschaften. Sie verbesserte auch die Arbeitsbedingungen der Bauern, indem sie den Frondienst allmählich durch geregelte Lohnarbeit ersetzte. Frau von Friedland legte eine umfangreiche Pflanzensammlung an, die von ihrer Tochter weitergeführt wurde.
Bei aller sozialen Verantwortung war Helene Charlotte eine gestrenge Herrin, die Disziplin von sich und ihren Untertanen verlangte. Der Gutsnachbar General von der Marwitz schrieb dazu: „... Sie war aber nicht bloß eine Landwirtin, sondern eine höchst geistreiche und in allen Dingen unterrichtete Frau.”
Davon zeugte auch die „Friedländsche Bibliothek” des Kunersdorfer Schlosses, eine der brühmtesten Schlossbibliotheken der Mark. Vom Vater übernommen, wurde die Bibliothek durch Frau von Friedland fortgeführt und erweitert. Besonders landwirtschaftliche Werke aus England und Frankreich hatten dort ihren Platz, aber auch Bücher von Goethe, Schiller und Herder. Sie umfaste seinerzeit rund 30.000 Bände.
1931 kaufte der damalige Landrat Mengel die Bibliothek und brachte sie im Freienwalder Schloss unter. 1945 wurde sie in das Johanna-Kinderheim nach Werftpfuhl verlagert. Dort sind über 90 % der Bestände vernichtet worden. Die verbliebenen Bestände werden heute an verschiedenen Orten aufbewahrt.
... Die Frauen von Friedland waren befreundet mit dem Begründer der wissenschaftlichen Landwirtschaftslehre Albrecht Daniel Thaer. 1977 besuchte er Schloss Kunersdorf und war beeindruckt: „Cunersdorf ist fürstlich. Der Garten gehört unter die schönsten, die ich gesehen.”
