Chamisso-Literaturhaus im Kunersdorfer Musenhof
Chamisso-Literaturhaus im Kunersdorfer Musenhof

„Die Weltereignisse vom Jahre 13, an denen ich nicht thätigen Antheil nehmen durfte, – ich hatte ja kein Vaterland mehr oder noch kein Vaterland – zerrißen mich wiederholt vielfältig, ohne mich von meiner Bahn abzulenken. Ich schrieb in diesem Sommer, um mich zu zerstreuen und die Kinder eines Freundes (Hitzig) zu ergötzen, das Märchen Peter Schlemihl, das in Deutschland günstig aufgenommen und in England volksthümlich geworden ist.”
So beschreibt er auch seine eigene Situation in der Erzählung von Peter Schlemihl.
In Berlin liegt in der Staatsbibliothek der schriftliche Nachlass Chamissos. 1937/38 erworben, zum Schutz vor Kriegsschäden ausgelagert nach Sachsen, von dort 1945 abtransportiert nach Moskau, dort in russischer Sprache verzeichnet und 1958 an die damalige Deutsche Staatsbibliothek zurückgegeben, hat auch der Nachlass Chamissos eine bewegte Geschichte. Mit großzügiger Unterstützung der Robert-Bosch-Stiftung wird er nun in der Staatsbibliothek zu Berlin wissenschaftlich und archivarisch in der Verbunddatenbank Kalliope erschlossen.
Über die Geschichte des Manuskripts „Peter Schlemiels Schicksale“  berichtet dieser Band, über die Originalhandschrift Chamissos, die die Staatsbibliothek 1927 schon vor dem Nachlass Chamissos erwarb, und von der Abschrift des Manuskripts, die im Nachlass von Chamissos Herausgeber, Julius Eduard Hitzig, liegt. Dieser Nachlass, 1904 an das Märkische Museum, heute Stiftung Stadtmuseum Berlin, gelangt und 1998 durch Ringe, Zeichnungen und andere Nachlassgegenstände ergänzt, verwahrt auch weitere Korrespondenzen von Chamisso, neben Hitzig etwa mit dem Dichter Friedrich Wilhelm Neumann, und ist, wie Chamissos Nachlass selbst, eine Fundgrube für die Forschung.
Dieser Band zeigt im Faksimile Chamissos Originalmanuskript des Jahres 1813. Die Transkription des Textes besorgte Katrin Dennerlein, die auch eine elektronische  historisch-kritische Edition des Schlemihl-Textes unter Berücksichtigung aller Textzeugen vorbereitet. Über die Geschichte des Manuskripts in der Staatsbibliothek und die Entstehung des Textes berichten Monika Sproll und Anja Krüger, die hier den Nachlass Chamissos bearbeiten.

 

„Peter Schlemiel's Schicksale mitgetheilt von Adelbert von Chamisso", Faksimile-Ausgabe der Handschrift mit einer diplomatischen Transkription von Katrin Dennerlein, herausgegeben von der Chamisso-Gesellschaft e.V., erschienen im Findling Verlag 2013

www.findling-verlag.de

 

 

Die von Chamisso eigenhändig korrigierte Abschrift aus der Stiftung Stadtmuseum wird von Anna Busch vorgestellt, die derzeit eine elektronische Publikation dieses Textzeugen vorbereitet.

 

So ist dieser Band auch das gemeinsame Werk von vier jungen Chamisso-Expertinnen, die hier ihre Forschungs- und Erschließungsergebnisse gemeinsam publizieren.

2011 und 2013 fanden in Paris und Berlin die ersten internationalen Chamisso-Konferenzen statt. Die Chamisso-Gesellschaft, 2010 in Kunersdorf im Oderbruch gegründet, um die Erinnerung an Leben und Werk des Europäers Adelbert von Chamisso neu zu beleben, war an beiden Veranstaltungen beteiligt.  Sie ist auch die Herausgeberin dieses schönen Bandes.

Jutta Weber, Berlin, im Sommer 2013

 

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