Chamisso-Literaturhaus im Kunersdorfer Musenhof
Chamisso-Literaturhaus im Kunersdorfer Musenhof

Aus Chamissos Sammlung:

Thypus für Lepidium owaihiense Cham. & Schltdl. (© Virtual Herbaria)

 

Chamisso an Hitzig, Ende September 1813 aus Cunersdorf. SBB, Nachl. Adelbert von Chamisso, K. 18, Nr. 9, Bl. 31–32

Monika Sproll: Adelbert von Chamisso in Cunersdorf, Frankfurter Buntbücher 55

 

„Ich habe keine andre Uhr, keinen andern Kalender, als die Blumen, schreibt Adelbert von Chamisso seinem Freund und späteren Biografen Julius Eduard Hitzig 1813 aus Cunersdorf im Oderbruch. Als Gast der Familie von Itzenplitz konnte sich Chamisso hier als Naturforscher – und als Dichter erproben: „Peter Schlemihl’s wundersame Geschichteentstand im Gleichklang mit der Natur und angeregt von der Vielfalt und Stille des Ortes sowie der gelehrten Geselligkeit, die sich in Kunersdorf traf. Unter Auswertung des Nachlasses Adelbert von Chamissos in der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, beschreibt Monika Sproll den Sommer und Herbst 1813 in Cunersdorf und setzt mit der 55. Ausgabe der Frankfurter Buntbücher 200 Jahre nach der Erstausgabe des „Peter Schlemihldem Entstehungsort dieses weltberühmten Märchens ein Denkmal. Einfühlsame Fotos von Günter Karl Bose rahmen diese „aufgehobene Zeit in Cunersdorf, wie Monika Sproll schreibt, eindrucksvoll ein, und sind eine Würdigung der rührigen Arbeit des Chamisso-Literaturhauses im Kunersdorfer Musenhof zugleich.

 

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... Unerwartet und in zweierlei Hinsicht stellt sich dieser Besuch in Cunersdorf für Chamisso als

eine glückliche Fügung heraus. So war das Cunersdorfer Gut Inbegriff botanischer Interessen und gelehrter Geselligkeit. Chamisso konnte hier sein Profil als botanischer Naturforscher erproben und eine erste wissenschaftliche Publikation vorlegen. Und er konnte in den Mußestunden seines Aufenthalts, angeregt von der Vielfalt und der Stille des Orts, sein Leben dichterisch reflektieren. Zu seiner eigenen Zerstreuung, wie Chamisso in der ihm eigenen Untertreibung bezüglich seiner literarischen Werke in seiner Reise um die Welt 1836 schreibt, entstand in dieser Lage wie ein Schlagschatten, der in die Zukunft reicht, eine kleine und bis heute faszinierende Erzählung, die ihn in kurzer Zeit zu einem berühmten Autor Europas mit einer Leserschaft von Paris über London und Tartu bis St. Petersburg machen wird. Sie heißt im Original-Manuskript noch Peter Schlemiel‘s Schicksale und wurde von de la Motte Fouqué 1814 mit dem Titel Peter Schlemihl‘s wundersame Geschichte mitgetheilt von Adelbert von Chamisso herausgegeben. In ihr wird die Geschichte Peter Schlemihls erzählt, der über die unglücklichen Folgen eines unbedachten Handels mit dem Teufel in eine Existenz gezwungen wird, die fernab menschlicher Bindung nur noch dem Ziel folgen kann, eine rastlose und übermenschliche wissenschaftliche Leistung in der Erforschung der Naturen der Erde zu erbringen.

 

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